Projekt breed4green: Effiziente Kühe züchten – (wie) geht das?

Zwei Kühe im Stall, nennen wir sie Berta und Vroni: gleiche Laktation, ähnliches Gewicht, scheinbar gleiche Futtermenge. Berta melkt trotzdem deutlich mehr. Sie verwertet ihr Futter also besser und ist effizienter. Weil Futter einer der größten Kostenfaktoren am Betrieb ist, bringt jede Berta im Stall bares Geld. Können wir gezielt mehr Bertas züchten? Ja, aber.

Projekt breed4green: Effiziente Kühe züchten – (wie) geht das?

Autorin Originaltext: Sarah-Joe Burn (BOKU), ergänzt um den Beitrag von LKV Austria

 

Zwei Kühe im Stall, nennen wir sie Berta und Vroni: gleiche Laktation, ähnliches Gewicht, scheinbar gleiche Futtermenge. Berta melkt trotzdem deutlich mehr. Sie verwertet ihr Futter also besser und ist effizienter. Weil Futter einer der größten Kostenfaktoren am Betrieb ist, bringt jede Berta im Stall bares Geld. Können wir gezielt mehr Bertas züchten? Ja, aber.

 

Effizienz ist zum Teil erblich, aber schwer zu messen

Studien zeigen, dass solche Unterschiede zwischen Kühen zu einem Teil genetisch bedingt sind. Damit ist die Grundlage für eine züchterische Verbesserung gegeben. Das „Aber“: Um effiziente Tiere zu erkennen, braucht man die Futteraufnahme. Bei Fleckvieh oder Brown Swiss wird diese bisher nicht routinemäßig erfasst. Technisch gibt es Lösungen wie automatische Wiegetröge, die das gefressene Futter über die Gewichtsdifferenz bestimmen. Flächendeckend auf vielen Betrieben wären sie aber teuer und mit viel zusätzlicher Arbeit verbunden. Hier setzt breed4green an.

 

Indirekte Merkmale statt Wiegetrog

Im Projekt wird untersucht, wie sich Futteraufnahme bzw. Futtereffizienz über indirekte Merkmale ableiten lässt. Ein Ansatz ist eine bereits geprüfte Schätzgleichung. Ein zweiter nutzt die Mittelinfrarot-Spektren (MIR) aus der Milchanalyse. Diese fallen bei der Bestimmung von Fett und Eiweiß ohnehin an, sind also ohne Mehraufwand verfügbar. Erste Ergebnisse zeigen, dass beide Schätzwerte ähnlich erblich sind wie die tatsächlich gemessene Futteraufnahme und genetisch günstig mit ihr zusammenhängen. Sie kommen damit als Hilfs-merkmale für die Zucht auf Futtereffizienz in Frage.

 

Die Rolle von LKV Austria: Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis

Damit aus Forschungsideen verlässliche Ergebnisse werden, braucht es saubere Daten direkt von den Betrieben. Diese Projektarbeit vor Ort übernimmt die LKV Austria gemeinsam mit den acht Landeskontrollverbänden in Österreich.

  • Koordination der Projektbetriebe: Die Landeskontrollverbände sind Ansprechpartner für die teilnehmenden Betriebe und organisieren die Abläufe rund um die Datenerhebung.
  • Datenerhebung aus der Milch: Im Zuge der Milchleistungsprüfung werden Milchproben zur Untersuchung genommen und die zugehörigen MIR-Spektren nach der Analyse der Milchproben errechnet und für das Projekt bereitgestellt.
  • BCS-Bewertung: Die Körperkondition (Body Condition Score) der Kühe wird regelmäßig beurteilt. Sie zeigt, ob eine Kuh ihre Leistung aus dem Futter oder aus Körperreserven bestreitet, und ist damit wichtig für die Einschätzung der Effizienz.
  • LCS-Bewertung: Mit dem Locomotion Score wird das Gangbild beurteilt, ein Indikator für Klauengesundheit und Wohlbefinden.

LKV Austria und die LKVs in den Bundesländern fungieren damit als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis.

 

 Ausblick

Bis zur Umsetzung in der Zuchtwertschätzung sind noch einige Schritte nötig. Die bisherigen Ergebnisse sind aber vielversprechend, damit wir künftig unsere Bertas zuverlässig von unseren Vronis unterscheiden können.

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